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Römische Militärkleidung |
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Die Kleidung des
römischen Soldaten zur Kaiserzeit, ob es sich um einen
Legionär, Auxiliar oder Prätorianer handelte, entsprach
ursprünglich im Grunde der zeitgenössischen Zivilkleidung.
Sie bestand im wesentlichen aus der Tunica, von der drei Grundformen
bekannt sind, nämlich die ärmellose, die kurzärmelige
und die langärmelige Variante. Zusätzlich konnte ein Mantel
in Form einer Paenula getragen werden. Allein durch das
militärische Schuhwerk, die Caligae und den Gürtel, Cingulum
militare, war der Status des Soldaten erkenntlich, wenn dieser nicht in
Waffen und Rüstung auftrat. Das Halstuch, Focale, sowie die
zunächst nur von Auxiliaren getragenen engen Kniehosen, die
Feminalia, waren ebenso für das Militär typische
Kleidungsstücke.
Generell wurde in Rom als Material für Kleidung fast
ausschließlich Wolle verwendet. Seide und Leinen waren den
Römern zwar ebenfalls bekannt, spielen aber im Zusammenhang mit
militärischer Bekleidung kaum eine Rolle.
Die römische Militärkleidung erschließt sich uns
hauptsächlich aus erhaltenen Darstellungen der römischen
Kunst. Vor allem die ursprünglich farbig gefassten Reliefs und
Grabsteine, deren Farben leider fast völlig verwittert sind, aber
auch Fresken und Mosaiken geben uns über das äußere
Erscheinungsbild des Soldaten Auskunft. Wichtige Hinweise geben auch
literarische Quellen aus der damaligen Zeit. Archäologische Funde
von römischen Textilien sind dagegen recht spärlich, liegen
meist nur in fragmentarischer Form vor, und sind auch nur sehr schwer
zuzuordnen. Sie geben über Textilfertigungstechniken, Materialien
und verwendete Farben Auskunft. Der Schnitt der Kleidung lässt
sich jedoch oft nur experimentell erschließen.
Tunica
Das Standardkleidungsstück des Römers, egal ob Soldat oder
Zivilist, Sklave oder Kaiser, war die Tunica, ein hemdartiges Gewand,
das ursprünglich aus einer umgeschlagenen, rechteckigen Stoffbahn
zusammengenäht war, und einen Durchschlupf für den Kopf an
der Oberkante und je ein Armloch an den Seiten hatte. Durch die Weite
der Tunica fiel der Stoff von den Schultern bis auf die Armbeuge herab
und bildete so Scheinärmel.
Außer dieser
ärmellosen Grundform gab es seit Beginn der Kaiserzeit auch
Varianten mit angesetzten kurzen oder langen Ärmeln. Die Tunica
reichte ungegürtet in ihrer ganzen Länge bis auf die halbe
Wade, wurde aber beim Militär gegürtet und gerafft, so dass
sie bis knapp über die Knie reichte. Der Saum verlief dabei
waagerecht über den Knien. Eine Ausnahme davon war die Trageweise
im Zeitraum zwischen tiberisch-claudischer und spätflavischer
Periode (ca. 14-96 n. Chr.), als der Stoff an beiden Hüften
hochgezogen wurde, so dass die Seiten der Oberschenkel zur Hälfte
frei waren und der untere Teil der Tunica in bogenförmigen Falten
durchhing. Zahlreiche Darstellungen auf Grabsteinen belegen dieses.
Der Halsausschnitt der ärmellosen Tunica war so weit, dass bei
körperlicher Tätigkeit der rechte Arm herausgezogen, und das
Gewand wie eine griechische Exomis getragen werden konnte. Um den
Halsausschnitt zu verkleinern konnte der Stoff wiederum im Nacken zu
einem Knoten zusammengefasst werden, was wohl ein herunterrutschen der
Kleidung verhindern sollte. Auf der Trajans-Säule sind schanzende
Legionäre auf diese Weise dargestellt.
Bei Kavallerie scheint ein anderes Modell in Gebrauch gewesen zu sein.
Die auf der Trajans-Säule dargestellten Auxiliarreiter trugen eine
enganliegende, kurzärmelige, kurze nur bis unter den Unterleib
reichende Tunica (siehe Abb. 6: Trajans-Säule).
Die langärmelige Tunica (Tunica manicata) wurde im 3. Jahrhundert
zum Standardmodell des römischen Heeres. Im Laufe der Zeit wurde
diese immer mehr mit Clavi (Streifen) und Orbiculi (Rondells) sowie
anderen Mustern verziert (siehe: "Große Jagd-Mosaik", Piazza
Armerina/Sizilien).
Ursprünglich waren purpurne Clavi dem Adel vorbehalten: Der
Ritterstand trug eine weiße Tunica mit zwei senkrechten schmalen
Streifen, die Tunica angusticlavia. Patrizier trugen dagegen die Tunica
laticlavia mit breiten Streifen (siehe Abb. 2 u. 3). Offiziere vom
Tribun aufwärts werden diese Tunicae entsprechend ihrem Stand auch
im Dienst getragen haben.
 
Tunica angusticlavia Tunica laticlavia
Mäntel
Das römische Militär kannte verschiedene Manteltypen.
Der im 1. und 2. Jahrhundert wohl am meisten getragene
Militärmantel war die Paenula, ein halbkreisförmiger Umhang
mit Kapuze, wie er auch von Zivilisten gern getragen wurde. Sie wurde
entweder über die Schulter gelegt und vorn mit Knebeln oder
Knöpfen verschlossen (Grabstein Camomile Street, London), oder sie
war vom Hals bis zum Bauch zugenäht, sodass man in sie wie in
einen Poncho hineinschlüpfte. Die Paenula diente
hauptsächlich als Schutz vor Kälte und Regen, konnte aber
auch als Schlafdecke genutzt werden. Die alltägliche Dienstuniform
des Soldaten bestand übrigens aus der Kombination von Tunica und
Paenula (siehe Abb. 4: "Cancelleria-Relief").

Cancelleria-Relief, Rom, 90 n. Chr
Das Sagum dagegen
galt als der klassische römische Soldatenmantel, bevor es in der
frühen Kaiserzeit bei den Legionären von der Paenula
verdrängt wurde und nur noch bei der Auxilarkavallerie zu finden
war (siehe Abb. 6: Trajans-Säule). Erst im 3. Jahrhundert kam das
Sagum wieder stärker in Gebrauch um dann zum militärischen
Standardmantel der späten Kaiserzeit zu werden. Es bestand aus
einem großen rechteckigen Wolltuch und war häufig an einer
Kante mit Fransen versehen. Auf einer überlieferten Bestellung
über vier dieser Mäntel waren die Maße 2,66m mal 1,77m
angegeben. Es gab auch eine etwas kürzere Abart dieser Mantelform,
das Sagulum. Die Mäntel wurden beim Anziehen an einer Schmalseite
etwa zur Hälfte überschlagen und dann mit der Faltkante zum
Hals über die linke Schulter gelegt und auf der rechten Schulter
mit einer Fibel zusammengeheftet. Sie dienten auch als Decken in die
sich der Soldat einwickeln konnte. Das Sagum stellte ein rein
militärisches Bekleidungsstück dar.
Das Paludumentum war ein rechteckiger Mantel, der höheren
Offizieren vorbehalten war. Das der Legaten war in der Regel
karmesinrot ( flammeum coccum) eingefärbt, lediglich der Kaiser
trug ein purpurnes Exemplar als Kriegstracht. Das Paludumentum wurde
entweder wie das Sagum getragen, oder über die linke Schulter und
den linken Arm drapiert. Einige Darstellungen weisen darauf hin, dass
die unteren Ecken dieses Mantels abgerundet waren.
Bein- und Fußbekleidung
Eng anliegende Kniehosen, Feminalia, wurden vor der Mitte des 1.
Jahrhunderts n. Chr. ausschließlich von Auxiliarreitern getragen.
In trajanischer Zeit werden sie bereits von allen Truppen der Auxilia
getragen (siehe Abb. 6: Trajans-Säule). Ebenso gehörten sie
bei höheren Offizieren der Legionstruppen zur Uniform. Bereits in
der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts waren die Feminalia bei allen
Truppengattungen verbreitet. Sie wurden im Laufe des 3. Jahrhunderts
durch knöchellange Hosen, die Bracae, ersetzt. Anfang des 4.
Jahrhunderts kommen dann enganliegende Strumpfhosen auf (siehe Abb. 5:
"Große Jagd-Mosaik", Piazza Armerina/Sizilien).
Kavalleristen werden auf Kunstwerken oft mit engen, faltenlosen
Feminalia dargestellt. Hierbei könnte es sich um lederne Reithosen
handeln.

"Große Jagd-Mosaik", Piazza Armerina/Sizilien, Anfang 4. Jh.
Es ist anzunehmen,
dass die Hosen von keltischen Hilfstruppen in die Römische Armee
eingeführt wurden. Anfangs waren sie militärische Bekleidung,
wurden später aber von der zivilen Mode übernommen.
Über den Gebrauch von Socken, Udones, im römischen Heer ist
nur wenig bekannt. Bei genauerer Betrachtung des Cancelleria-Reliefs
(siehe Abb. 4: "Cancelleria-Relief") erkennt man, dass einer der
dargestellten Prätorianer in den Caligae an Ferse und Zehen offene
Socken trägt. Zieht man die Tatsache in Betracht, dass bei
Kunstwerken römischer Bildhauer Details oft nur aufgemalt sind (z.
B.: Kettenpanzer auf der Trajans-Säule), und dass die Farben nicht
erhalten sind, könnte hier eine Ursache für das Fehlen von
Socken in den Darstellungen vermutet werden. Im 3. Jahrhundert hatten
geschlossene Militärstiefel (Typ Dura Europos) die offenen Caligae
ersetzt. Vermutlich wurden die Stiefel in Verbindung mit Socken
getragen, wenn auch archäologische Funde von römischen
Wollsocken (z. B.: Vindolanda, England) der Zivilkleidung zuzuordnen
sind.
Mit größter Wahrscheinlichkeit wurden auch verschiedene
Formen von Gamaschen (Tibiale, Fasciae crurales), wie sie aus
Darstellungen von Jägern oder Feldarbeitern überliefert sind,
von Soldaten an den Unterschenkeln getragen.
Halstuch (Focale) und Leibbinde (Fascia ventralis)
Auf verschiedenen Darstellungen wie der Trajans- und der
Mark-Aurel-Säule, sowie auf militärischen Grabsteinen sind
wie ein Halstuch unter dem Panzer (Lorica segmentata) getragene
schalartige Kleidungsstücke zu erkennen (siehe:
Trajans-Säule). Das Focale sollte wohl das Scheuern der
Rüstung an Hals und Schultern vermindern. Ein wenn auch
bescheidener Schutz des Halses vor Waffenwirkung ist dagegen eine
andere Erklärungsmöglichkeit. Auffällig ist
nämlich, dass es von Auxiliaren, wenn man den
zeitgenössischen Darstellungen glauben darf, über dem
Kettenpanzer (Lorica hamata) getragen wurde. Die exakte Form des Focale
lässt sich allerdings auf Grund der überlieferten Kunstwerke
nicht erschließen. Im Experiment hat sich dennoch die Form eines
Dreieckstuchs als vorteilhaft erwiesen.
Ausschnitt Trajans-Säule, Rom, 107-117 n. Chr.
Werden Soldaten
ohne Rüstung auf Grabsteinen der frühen Kaiserzeit
dargestellt, ist oft eine über der Tunica und unter dem
Gürtel getragene Leibbinde, die Fascia ventralis, zu erkennen.
In diese sind oft kleine Tafeln oder ähnliches eingesteckt.
Wahrscheinlich ist dieses Kleidungsstück etruskischen Ursprungs,
wie die Kriegerdarstellung auf einer Urne aus Volterra vermuten
lässt.
Kopfbedeckung
Römische Soldaten wurden in der bildenden Kunst entweder mit Helm
oder barhäuptig dargestellt. Schriftliche Quellen weisen jedoch
manchmal auf Kopfbedeckungen für Militärangehörige hin.
Das gelegentliche Tragen eines Petasos, des breitkrempigen griechischen
Reisehuts, der seinen Weg in die römische Zivilkleidung fand, kann
nicht ganz ausgeschlossen werden. Die an der Paenula angebrachte Kapuze
lässt jedoch eine Kopfbedeckung obsolet erscheinen.
Erst seit dem ausgehenden 3. Jahrhundert lässt sich eine flache,
zylindrische Fellmütze, der Pilleus pannonicus, bei Soldaten und
Offizieren nachweisen (siehe Abb. 7: Konstantins-Bogen), der aber ab
dann zum typischen Erscheinungsbild gehörte. Eine Darstellung auf
einem Mosaik in Piazza Armerina auf Sizilien deutet jedoch darauf hin,
dass auch Wolle oder Filz als Material in Frage kommen. Diese
Kopfbedeckung, die auch Einzug in die Amtstracht des Kaisers fand, ist
vermutlich illyrisch-pannonischen (Donauraum) Ursprungs.

Detail Konstantins-Bogen, Rom, 312-315 n. Chr.
Textilfarben
Die Römer verfügten über eine breite Palette von
Textilfarben. Der wichtigste rote Farbstoff wurde aus der Krappwurzel
(Rubia tinctorum) gewonnen. Die Kermeslaus (Kermes vermilio) lieferte
ebenfalls ein Rot, war aber wesentlich teurer und blieb dem Adel
vorbehalten. Verschiedene Gelbfärbungen wurden unter anderem durch
Safran (Crocus sativus) und Wau (Reseda luteola) erzielt. Waid (Isatis
tinctoria) und seltener Indigo (Indigofera tinctoria) dienten zum
Blaufärben.
Das Wissen um die Farben römischer Militärkleidung ist sehr
lückenhaft. So ist zum Beispiel bislang noch nicht geklärt,
welche Farbe die Tunica der Legionäre hatte. Aufgrund der
überlieferten Bildwerke werden Rot (JUNKELMANN, 1997) oder
Weiß (FUENTES, 1987) favoritisiert. Nach FUENTES trugen nur
Centurionen rote Tunicae. Eine weitere These geht davon aus, dass die
Soldaten eine weiße Tunica für den alltäglichen Dienst
sowie eine rote unter der Rüstung zum Gefechtsdienst trugen
(SUMNER, 2003). Die am häufigsten dargestellte Mantelfarbe ist ein
helles Braun, wahrscheinlich ungebleichte Naturwolle. Aber auch Rot und
Blau oder Graublau sind für Mäntel überliefert. Tribunen
wird dagegen oft ein weißer Mantel zugeschrieben.
Fazit
Die Entwicklung der römischen Militärkleidung von der
späten Republik bis zum Ende des Kaiserreiches kann wie folgt
charakterisiert werden: Zunächst wurde römische Zivilkleidung
getragen, die um einige Kleidungsstücke ergänzt wurde. Mit
der Zeit erfolgte eine Anpassung an die klimatischen Bedingungen in den
Provinzen durch die Übernahme "barbarischer" Kleidung. Die
veränderte Militärkleidung wurde wiederum später von der
Zivilmode in Rom adoptiert.
Literatur:
ANDERSON, ALASTAIR S.: Roman Military Tombstones, Aylesbury 1984
BÖHME-SCHÖNBERGER, ASTRID: Kleidung und Schmuck in Rom und den Provinzen, Stuttgart 1997
CICHORIUS, C.: Die Reliefs der Trajanssäule, Textbände 2 u. 3 / Tafelbände 1 u. 2, Berlin 1896-1900
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Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts -
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KÜHNEL, HARRY (Hg.) Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung, Stuttgart 1992
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SUMNER, GRAHAM: Roman Military Clothing (1) 100 BC- AD 200, Oxford 2002
SUMNER, GRAHAM: Roman Military Clothing (2) AD 200-400, Oxford 2003
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WILSON, LILIAN M.: Clothing of the Ancient Romans, Baltimore 1938
Römische Militärkleidung - Glossar:
Bracae (lat., f.): lange Hosen
Caligae (lat., f.): offene Militärstiefel (Sandalen)
Cingulum militare (lat., n.): Militärgürtel
Clavi (lat., m.): farblich abgesetzte Zierstreifen auf Tunicae
Exomis (griech., f.): griechisches hemdartiges Gewand mit freier Schulter
Fascia ventralis (lat., f.): Leibbinde
Fasciae crurales (lat., f.): Wickelgamaschen
Feminalia (lat., n.): knielange, enge Hose
Focale (lat., n.): Halstuch oder Schal
Orbiculi (lat., m.): farblich abgesetzte runde Verzierungen auf Tunicae
Paenula (lat., f.): capeartiger Mantel
Paludumentum (lat., n.): "Feldherrenmantel"
Petasos (griech., m.): breitkrempiger griechischer Reisehut
Pilleus pannonicus (lat., m.): flache, runde Pelzmütze
Sagulum (lat., n.): kurzer rechteckiger Militärmantel
Sagum (lat., n.): rechteckiger Militärmantel
Tibiale (lat., n.): Gamaschen
Tunica (lat., f.): hemdartiges Gewand
Tunica angusticlavia (lat., f.): Tunica des Ritterstandes mit schmalen purpurnen Clavi
Tunica laticlavia (lat., f.): Tunica der Patrizier mit breiten purpurnen Clavi
Tunica manicata (lat., f.): Tunica mit langen Ärmeln
Udones (lat., n.): Socken
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